Phrase - Die Straße ist mein

Okay, die Kurz- oder die Langfassung? Ich fange mal mit der Kurzfassung an: Mutterf*cker, der Boss, der Don, deine Crew ist soft, weiße Air Force Ones, fly wie Käpt'n Balu, für die Straße leben, für die Straße sterben, lieber tot als broke, Drogen, Ice und Schampus. Das ist eine wahllose Auswahl von Schlagwörtern, die ganz gut zeigt worum es hier hauptsächlich geht. Phrase rappt also eher frei nach dem Motto Ich-bin-der-King-und-du-bist-Schrott. Übertreibung gehört im Rap eben wie die Mutter zum Kind, ein ganzes Mixtape aber darauf

Phrase - Die Straße ist mein
aufzubauen ist zumindest gewagt.

Auf den 23 Tracks ist diese aufgesetzte Unantastbarkeit jedenfalls nicht ohne eine gehörige Portion Ironie abzunicken. Denn bisher gehörte "H-Town" (Hannover nicht Houston), wo es anscheinend tagtäglich darum geht im Alltags-Hustle nicht niedergestochen zu werden, wohl nicht zu den dunkelsten Ecken Deutschlands. Verbuchen wir das ganze erstmal als Entertainment und freuen uns über einen Newcomer, der mit seinem Flow durchaus umgehen kann und zum Teil sogar für recht ansehnliche Lines wie "Jeder Reim den du hier hörst […] bringt dir mehr Drama ein als die Weiber von Curse" sorgen kann. Immerhin.

Auf der anderen Seite sind es eher die Gäste, die zumindest für eine kurze Zeit die aufkommende Monotonie vertreiben können. MB1000 Rapper Beneluxus drückt "Mein Leben" seinen Stempel auf und bringt sogar eine mehr als passable Hook, sein Kollege Maze aka Atze M kommt auf "Six Pack" zum Schuss und Franky Kubrick droppt einen 16er auf "Sack oder Cock". Weitere Features wie Later oder Zriddler waren schon in deutlich besserer Form und Mighty Mo rappt auch mehr so als hätte er ein Diplom in Phrasendrescherei. Unterm Strich ist das Tape eine inhaltlich eher uninteressante Sache.

Immerhin hat man aber zum Teil doch ordentliche Beats am Start. Bene, Lord Wax, Gimme Mo' A&R !Bazz, Drastic oder Spekbeatz haben Samples gechoppt und die Synthies gequält. Raus gekommen ist ein für Mixtapes zeitgemäßer Sound. Sprich: Ordentliche Bässe plus durchdringende Kicks und hier und da einen kleinen Dipset Einschlag, der Phrase aber durchaus gelegen kommt. Wenn man aber bis zum Albumrecording nicht mindestens zwei oder drei andere Facetten zeigen kann, dann könnte die Geschichte doch eher böse enden. Die "Die Straße ist mein" ist solide produziert und ordentlich gerappt, einfallsreich ist die Platte aber nicht geworden - die auf Platte gepresste Kreativität und Leidenschaft hat anders zu klingen.

Bewertung:
2,5 von 6

21.4.07 10:02

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